Kampf gegen den Klimawandel: Kilowatt statt Watt!

Im Sommer war ich mit meiner Familie auf Bootstour im Herzen Frankreichs. Wir fuhren auf der Dordogne hinunter und lebten eine Woche lang mitten in der Natur – sogar ohne Zelt. Es war spartanisch, aber gleichzeitig reich durch die Verschmelzung mit der Umwelt. Damals schrieb ich meinen Freunden und auf Facebook: Wir schalten von Kilowatt auf Watt.

Es gibt eine Sache, die mich immer wieder beschäftigt, und die damit zumindest indirekt zu tun hat. Nämlich: Wir hetzen so schnell durch unseren Alltag, dass wir nicht mehr erkennen, wo die richtigen Stellschrauben sind, wenn es um unseren ökologischen Fußabdruck geht.

Anders gesagt: Wir schaffen es nicht, Kilowatt und Watt auseinanderhalten. Wir schätzen Potenzen völlig falsch ein. Wir haben kein Gefühl für die Wirksamkeit von unterschiedlichen Maßnahmen fürs Klima – und packen deswegen oft mit viel Energie die falschen, weil zu kleinen Dinge an.

 

Fahrverbote? Ja bitte, aber für Schiffe!

Ein erstes Beispiel gefällig? Wir diskutieren seit Monaten über Fahrverbote in deutschen Großstädten. Das ist im Prinzip richtig. Doch zwei Fragen seien erlaubt: Erstens – warum nicht flächendeckend? Einzelne Straßen führen nur dazu, dass Dieselfahrer zulasten der Bevölkerung und ihrer Gesundheit Umwege über Nebenstraßen nehmen.

Und zweitens: Warum lässt man gleichzeitig in Häfen wie Hamburg einige Häuserblocks neben den Fahrverboten Kreuzfahrschiffe mit Diesel einlaufen? Das ist kompletter Irrsinn. Ich will damit nicht sagen, dass Dieselverbote bei Autos nichts bringen. Die Energie, die Politik und Bürger hier jedoch hineinstecken, steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Es gibt schlimmere Probleme zu lösen, in die wir unsere Zeit besser investieren würden. Etwa bei den Schiffen, die durch Ihre massiven Abgase das Mikroklima von Städten verändern. Zudem schalten sie auf das hochtoxische Antriebsmittel Schweröl um, sobald sie die hohe See erreichen.

Hierüber etwa spricht kaum einer: Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass das Energie-Einsparpotential beim Schiffsverkehr gigantisch ist. Alleine durch eine Reduzierung der Geschwindigkeit könnte ein Drittel an Treibstoff (und damit auch an Emissionen) eingespart werden, besagt eine Studie der Nichtregierungsorganisationen Transport & Environment. Das entspräche tatsächlich 82 Kohlekraftwerken!

Es gibt also Themen im Transport, bei denen mit wenig Aufwand riesige Erfolge erzielt werden können. Darauf sollten wir uns besser konzentrieren.

 

In den Zug statt auf den Flug – und zwar komplett!

Ein zweiter Klimakiller hat sich einfach so tief in unseren Alltag gegraben, dass wir ihn kaum noch wahrnehmen. Oder wahrnehmen wollen? Tatsächlich sind, wie ich bereits in einem früheren Post erläutert habe, Flüge extrem schädlich fürs Klima.

Was läge also näher, das Fliegen dort zu verbieten, wo es sinnvolle Alternativen gibt?

Auch führende Verkehrsforscher sehen das so: Andreas Knie etwa fordert, Flüge innerhalb Deutschlands komplett abzuschaffen und durch Schienenverkehr und Auto zu ersetzen. Es wäre ein riesiger, ein wirklich bedeutender Schritt für die deutsche CO2-Bilanz: Denn Züge sind im Fernverkehr dank Grünstrom mittlerweile klimaneutral unterwegs. Von 100 auf 0, von Kilowatt auf keinen Watt!

 

Stromsparen: Schön und gut, aber was ist mit Wärme?

Drittens, und damit kommen wir immer näher an unseren Alltag: Wir führen eine ewige, falsche Debatte, was das Stromsparen betrifft. Wir glauben, so die Energieprobleme lösen zu können. Doch tatsächlich ist Energie viel mehr als Strom – nämlich auch und insbesondere Wärme.

In der Erzeugung und der Dämmung von Wärme liegt ein viel, viel größeres Potential als beim Strom. Wir verwenden deutlich mehr Energie auf Wärme als auf Licht und viele elektrische Haushaltsgeräte. Jeder kann das erkennen, wenn er einmal Heizungs- und Stromkosten vergleicht: An den Euro lassen sich Kilowatt und Watt ganz eindeutig erkennen.

Deswegen auch ein ganz einfacher Rat an alle da draußen: Dämmt eure Häuser, und zwar richtig. Die Investitionen für eine moderne Isolation zahlen sich über kurz oder lang massiv aus, weil Heizkosten sinken. Auch Mieter haben hier gute Argumente gegenüber Ihren Besitzern. Und in einem zweiten Schritt kann jeder genau hinschauen, woher er seine Wärme bezieht. Denn kommt die etwa per Solarthermie vom Dach oder per Fernwärme, ist sie ökologisch um ein Vielfaches sinnvoller als etwa eine alte Ölheizung.

Jeder kann etwas zum Wandel beitragen. Er muss nur den richtigen Blick für Kilowatt und Watt haben.

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